21 | 05 | 2012

Ludwigshafener Stadtbild und Stadtimage: Wappen, "Logo" und "Slogan"

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Eine historische Einordnung von Dr. Stefan Mörz

Das Wappen, das die neue Gemeinde Ludwigshafen bei ihrer Gründung erhielt, war ein goldener Anker auf rotem Grund – Symbol für den Kern der neuen Ansiedlung, den Hafen, und den damit verbundenen Handel allgemein. Nach der Eingemeindung Friesenheims und Mundenheims wurden Elemente der Wappen der beiden Gemeinden in das neue "Gesamtwappen" aufgenommen. Ein schönes und ganz bewusst repräsentativ gestal-tetes Beispiel eines solchen Wappens findet sich am Giebel der Walzmühle zum Rhein hin. Das nach dem Brand 1905 wiederaufgebaute Unternehmen sollte als Gegenstück der jungen Industriestadt zum Mannheimer Schloss fungieren! Von 1906 warb auch der eng mit der Stadt verflochtene Verkehrsverein für Ludwigshafen.
Die Verwaltung der jungen Gemeinde beziehungsweise Stadt nutzte außer dem Wappen, das selbstverständlich für rechtliche Zwecke wie Besiegelungen gebraucht wurde, kein besonderes "Kennzeichen". Wie "herrschaftliche" Körperschaften allgemein bediente sich das "Bürgermeisteramt", wie es nach außen hieß, eines in schöner Frakturschrift gehaltenen Briefkopfs. Das Wappen, zuerst ebenfalls recht verschnörkelt und mit einem (bayerischen beziehungsweise pfälzischen) Löwen als Schild-halter, zierte zum Beispiel die große offizielle Stadtgeschichte des Jahres 1903 oder den Verwaltungsbericht. Von 1910 ab  erschien das Wappen auf dem Bericht in einer modernen Form, die der allgemeinen Stilentwicklung zum Jugendstil beziehungsweise der klarstrukturierten "Reformarchitektur" entsprach.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in den Jahren der Weimarer Repu-blik, wurde diese Entwicklung fortgesetzt. Die Präsentation des Wappens wurde in die Formen der Moderne übersetzt, zum Teil mit deutlich reduziertem "Beiwerk". Zugleich taucht erstmals ein klar identifizierbarer, von der Verwaltung genutzter "Slogan" für Ludwigshafen auf: "Stadt der Arbeit", oft ergänzt noch durch "Stadt der Chemie". Ein hochmodernes Stadtwappen, von Zahnrädern als Symbol der technischen Moderne umgeben, in die die Worte "Stadt der Arbeit" gewoben waren, taucht auf dem Ehrenbürgerbrief für Oberbürgermeister Krafft aus dem Jahr 1927 auf.

Die Nationalsozialisten brachten den Bruch mit der demokratischen Republik auch mit einer Rückwendung zu mehr traditionellen Formen zum Ausdruck. Der Verwaltungsbericht trug nunmehr wieder ein verschnörkeltes Wappen mit Löwen. Der Briefkopf brachte das Führerprinzip zum Ausdruck. Aus dem "Bürgermeisteramt" wurde "Der Oberbürgermeister". Offizielle Urkunden wie etwa die Ernennung zum städtischen Beamten trugen zudem ein Hakenkreuz. Der Slogan "Stadt der Arbeit" blieb aktuell, da die Nationalsozialisten in der "linken" Arbeiterstadt besonders ihre Nähe zur breiten Bevölkerung und die "sozialistischen" Elemente ihrer Ideologie betonen wollten. Den Wert von "Kommunikation" beziehungsweise Propaganda dokumentierte die nationalsozialistische Stadtführung auch mit der erstmaligen Einrichtung eines selbstständigen Presseamts.

Pressearbeit und Stadtwerbung waren zuvor städtischerseits vom Statistischen Amt mitversorgt worden. Ab Mitte der 1930er sorgte eine Weihnachtsbeleuchtung mit dem Slogan "Ludwigshafen im Lichterglanz" dafür, Ludwigshafen bei Bürgern und Umlandbewohnern ins "rechte Licht" zu setzen. Im Vorgriff auf die im April 1938 bevorstehenden Eingemeindungen wurde 1937 das Ankerwappen ohne weitere Beifügungen wieder eingeführt. Es ist seitdem das Stadtwappen geblieben. Bei allen möglichen Gelegenheiten wurde es nunmehr ge-braucht: ein schlichter Anker in einem in leicht schwingenden Formen gehaltenen Wappen.

Dieses Wappen zierte dann für Jahrzehnte nach dem Krieg auch den Briefkopf der Stadtverwaltung. Alle Ämter nutzten ihn. Die Kopfzeile lautete schlicht "Stadtverwaltung Ludwigshafen am Rhein". Auch sonst wurde das Wappen für so ziemlich alles benutzt, das die Stadt veröffentlichte, sei es die kleine Stadtge-schichte von 1953, Stellenausschreiben, Urkunden, den Stadt-Anzeiger und den allmonatlichen Veranstaltungsanzeiger. Hier taucht auch schon früh in den 1950ern der neue "Slogan" auf: "Ludwigshafen – das Tor zur Pfalz". In den folgenden Jahrzehn-ten wurden gelegentlich die Schriftform oder – seltener – die Form des Wappens modernisiert. 1963 bzw. 1964 wurden erstmals ein "Tag der offenen Tür" bei der Stadtverwaltung bzw. ein Neujahrsempfang veranstaltet, Zeichen einer werbenden Öffnung der Behörden hin zum Bürger.

Eine deutlich fassbare Zäsur war das Jahr 1970: die Stadt gab ihre bisherigen Periodika auf und brachte mit der Zeitschrift "Lu" einen neuen Typ der Information für die Bürger heraus. Von Anfang 1971 an erschien darin mit der "frech-fröhlichen Göre" Lu eine Art lockere Ludwigshafener Marianne, eine Verkörperung der Vorzüge der jungen Stadt, die künftig auf zahllosen Plakaten und Veranstaltungshinweisen erschien. 1977 präsentierten Stadt, Leistungsgemeinschaft und BASF erstmals ein für viele nicht-offizielle Zwecke nutzbares "Signet": Ein schwungvolles "Lu" mit der Unterschrift "Schwung am Rhein".

Ende 1986 wurde dann erstmals ein eigentliches Logo, das für alle Bereiche der städtischen Arbeit und des Marketings ver-bindlich wurde, vorgestellt: das in die in reduzierten gehaltenen Buchstaben LU hinein "komponierte" Wappen der Stadt. Stadt-verwaltung und Wirtschaft präsentierten das neue Zeichen ge-meinsam. Im Zeichen der damals schmerzlich fühlbaren Stadt-flucht wohlhabender Einwohnerinnen und Einwohner ins Um-land sollte es gerade dort "um Sympathie werben", wie die Presse feststellte. Es zierte künftig, bis zum heutigen Tag, das Briefpapier und alle Publikationen der Stadt bzw. wurde genutzt, um eine Beteiligung der Stadt im Rahmen fremder Publikationen anzuzeigen. 1992 wurde ein das Logo tragender großer Würfel auf einem Bunker am Ludwigshafener Kopf der Schumacher-Brücke montiert.

Nunmehr gab es eine Reihe neuer Slogans, die zum Teil auch mit speziellen dafür entworfenen Logos für den "nicht-offiziellen" Gebrauch verbunden waren: " Lebendiges Ludwigshafen" (offenbar mit dem Logo 1986/87 in Gebrauch genommen), "Lud-wigshafen – überraschend anders" (1990), "Ludwigshafen 2000 – eine dynamische Stadt mit Kraft" (1994) und wiederum "Das  Tor zur Pfalz" (um 1995), hier im Zusammenhang mit den rechts und links der neuen Rheinbrücke geplanten Hochhäuser als Entrée zur Stadt von Mannheim aus. Zum Stadtjubiläum 2003 wurde ein Logo entwickelt, das mit Farben und Formen der Miro-Wand des Wilhelm-Hack-Museums spielte und die Fröh-lichkeit einer jung gebliebenen Stadt ausstrahlen sollte. Es wurde tausendfach reproduziert und ganz offenbar auch von Privaten gerne genutzt.

Bereits 1970 und dann nochmals in wesentlich umfangreicherer Form 1993 hatte die Stadt erstmals eine "Bürgerumfrage" zum Image der Stadt bei ihren Bewohnern durchgeführt. Nach der Jahrtausendwende wurden – auch unter Einschluss interessier-ter Bürgerinnen und Bürger – immer wieder Zirkel und Ge-spräche für ein "Leitbild" der Stadt veranstaltet, an denen auch der Marketingverein teilnahm. In der Presse erschienen mehr als je zuvor Serien, die das Lebensgefühl der Einwohner, ihre Identifikation mit der Stadt beziehungsweise ihre Lieblingsorte thematisierten. Regelmäßige Stadtführungen, die verschiedene Themen der Geschichte und Gegenwart aufgriffen, wurden zum festen Bestandteil der Stadtpräsentation. Das "Bild der Stadt" nach innen und außen wurde zu einem zentralen Handlungsfeld. (red.)

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