Deidesheimer Synagoge: Bücherverbrennung "...und die Katastrophe kam. Erich Kästner und die Kriege"

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Kategorie: VBG DEIDESHEIM
Veröffentlicht am Montag, 02. Mai 2016 08:10

Vortrag am Sonntag 8. Mai 2016 um 18 Uhr

In seinem Engagement "Gegen das Vergessen" widmet sich der Freundeskreis der ehemaligen Deidesheimer Synagoge" dem 10. Mai 1933, dem Tag der Bücherverbrennung. Emil Erich Kästner (*23.02.1899  +29.07.1974), Deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Publizist erlebte diesen Tag als Chronist der Ereignisse, an welchem auch seine Werke "als wider dem Deutschen Geiste" verbrannt wurden. Am Sonntag, dem 8. Mai 2016 um 18.00 Uhr stellen Joachim Göbel (Rezitation) und Martin Mock (Gesang und Vertonung) im Wechsel von Gedichten, Prosa und Musik einige Auszüge aus Erich Kästners Werk in der ehemaligen Deidesheimer Synagoge, Bahnhofstrasse 19, Deidesheim vor.  Die an diesem Abend rezitierten Gedichte & Texte Erich Kästners umfassen einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren - es ist die Zeit von 1927 bis 1958. Es werden ausschließlich Originalzitate verwendet. In diesem literarisch-musikalischem Programm spricht Erich Kästner für sich selbst. So treffen seine damaligen Appelle, seine Mahnungen zu seiner Lebenszeit auf traurige, sich heute noch ständig wiederholende Realität.

Einige seiner bekanntesten Romane, wie "Emil und die Detektive" (1929) aber auch "Pünktchen und Anton" (1931) oder das "Das fliegende Klassenzimmer" (1933) wurden unter seiner Beobachtung verbrannt. Eines seiner beeindruckendsten Zeitdokumente ist Kästners 1931 veröffentlichter Roman "Fabian - die Geschichte eines Moralisten", der das Tempo und den Trubel der damaligen Zeit, wie auch den Niedergang der Weimarer Republik widerspiegelt.

Kästners Werke wurden wegen angeblicher "kulturbolschewistischer Haltung" vom Regime abgelehnt und seine Publikationen im Deutschen Reich verboten.Kästner war Pazifist, kämpfte für die Pressefreiheit und zählte zu den ersten Intellektuellen der Nachkriegszeit.
 
Er gehört zu den bedeutendsten Künstlern Deutschlands und hinterließ so einfache wie sinnfällige Sätze: "An jedem Unfug, der passiert, sind nicht nur die Schuld, die ihn begehen, sondern auch die, die ihn nicht verhindern" (Das fliegende Klassenzimmer). Damit macht Kästner mehr als einmal klar, dass Mut auch mit aktivem Eingreifen zu tun hat.
 
"Die Begegnung mit Erich Kästners Werk, fein zusammengestellt in einem literarisch-musikalischen Programm, von dem Fotografen Joachim Göbel und dem Juristen Martin Mock, bilden ein ergreifendes Zeit-Bild der ersten Hälfte des hinter uns liegenden Jahrhunderts ab - verblüffend wirkt dabei die Aktualität der menschlichen, sozialen und politischen  Grundwahrheiten, die uns überraschend direkt angehen und berühren." (Zitat: Der Warnemünder).
 
Das Finale des Programms an diesem Abend bildet die Kantate "de minoribus" ("über die Kinder"), eine fiktive Geschichte über die Einrichtung spezieller Kinderareale zur Rettung der Menschheit, die jedoch scheitert. Der Text entstand unter dem Eindruck des damals gerade ausgebrochenen Korea-Krieges 1951 und ist unverändert aktuell. Der Krieg hat Kästner nie losgelassen. Den ersten Weltkrieg hat er mitgemacht, beim Zweiten hat er - wegen Herzschadens aus dem Ersten - nicht aktiv mitgewirkt und den Dritten zeitlebens befürchtet.
 
Die einführenden Worte zu diesem Programm hält Herr Professor Dr. Georg Maybaum, Mitglied des Freundeskreises der Deidesheimer Synagoge. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei, Spenden sind erbeten. Nähere Informationen: www.deidesheimer-synagoge.de

Das weitere Programm des „Freundeskreis der ehemaligen Deidesheimer Synagoge e.V.

• Fr. 17.06.2016  19.00 Uhr
„Gottes Körper denken“ – Vortrag und Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Andreas Wagner, Ruppertsberg.

• So. 10.07.2016  11.00 Uhr
„Nachlese – Ein Tag für Nepal“ – Wie wurden die Spendengelder verwendet?
Ein Bericht von Markus Göhring, der sich vor wenigen Wochen selber vor Ort ein Bild gemacht hat.

• Sa. 03.09 bis So. 11.09.2016
Ausstellung zum Judentum - Leihgabe des Museums unterm Trifels, Annweiler.

• So. 04.09.2016  17.00 Uhr
Deidesheimer Kulturwoche – Europäischer Tag der jüdischen Kultur.

• Mo. 07.11.2016  19.00 Uhr
Reichspogromnacht – Vortrag über die Familie Reinach von Prof. Dr. Georg Maybaum, Deidesheim.

• So. 27.11.2016  11.00 Uhr
1. Adventsmatinee – Konzert mit dem Gitarristen Claus Boesser-Ferrari.

• So. 11.12.2016  11.00 Uhr
2. Adventsmatinee – Konzert mit Prof. Alexander Hülshoff und der Villa Musica.

 

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