25 | 05 | 2020

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DAK-Gesundheitsreport 2013 Rheinland-Pfalz: Psychische Leiden klettern bei Fehltagen auf Platz 2

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Burnout-Verbreitung durch Job-Belastung wird überschätzt

Erstmals kletterten 2012 psychische Erkrankungen in Rheinland-Pfalz auf Platz 2 bei den Fehltagen in Betrieben. Mit einem Anteil von knapp 15 Prozent an allen Ausfalltagen im Job folgten sie gleich hinter Muskel-Skelett-Erkrankungen (23 Prozent). Ein Jahr zuvor lagen seelische Leiden noch an dritter Stelle. In 2012 blieben in Rheinland-Pfalz 100 Arbeitnehmer im Schnitt an 221 Tagen wegen einer psychischen Erkrankung dem Job fern. Hochgerechnet bedeutet das für alle Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz mehr als 4,2 Millionen Fehltage in den Betrieben. Dies zeigt die Auswertung der Krankschreibungen im aktuellen DAK-Gesundheitsreport. Das IGES Institut aus Berlin wertete dafür Daten von 161.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Rheinland-Pfalz aus.

Die Langzeitanalyse in Rheinland-Pfalz zeigt: In den letzten zwölf Jahren stiegen die Fehltage bei den psychischen Erkrankungen um 85 Prozent und damit genauso stark wie im Bund. „Die Arbeitsausfälle sind für Betriebe schwerwiegend. Denn psychische Erkrankungen dauern meist lange. In Rheinland-Pfalz sind es im Durchschnitt knapp 35 Tage. Sie gehören deshalb stärker in den Fokus eines betrieblichen Gesundheitsmanagements“, sagt Michael Hübner, Landeschef der DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz.

Krankenstand insgesamt leicht gesunken
Der Krankenstand insgesamt sank in Rheinland-Pfalz leicht auf 4,1 Prozent (Vorjahr 4,2 Prozent). Demnach waren im vergangenen Jahr von 1.000 Arbeitnehmern im Schnitt pro Tag 41 krank geschrieben (Bund 38). Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt hat Rheinland-Pfalz etwas mehr Krankheitsfälle (116 zu 112 Fälle pro 100 Versicherte). Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung liegt fast gleichauf mit dem Rest der Republik (12,8 Tage zu 12,6 Tage).

Massive Verschiebungen beim Krankheitsspektrum: Sind wir heute anders krank?
Laut DAK-Gesundheitsreport haben sich die Gründe für Krankschreibungen in den vergangenen zwölf Jahren auffällig verschoben: In Rheinland-Pfalz gab es in den letzten zwölf Jahren 101 Fehltage mehr pro 100 Versicherte, die auf psychische Leiden zurück gingen. Zum Vergleich: Herz-Kreislauf-Erkrankungen gingen im gleichen Zeitraum um 32 Tage, Atemwegskrankheiten um 15 Tage zurück.

Sind heute wirklich immer mehr Menschen psychisch krank? Oder ist das eher eine Frage der öffentlichen Wahrnehmung und eines veränderten Umgangs mit psychischen Belastungen? Nach Ansicht von Experten gibt es keine Hinweise darauf, dass derzeit mehr Menschen eine psychische Störung haben als vor 15 Jahren.

Ein Widerspruch zu den aktuellen Krankenstandsdaten ist dies nicht. Denn Arbeitsunfähigkeitsdaten geben zwar zuverlässig Auskunft über das Ausmaß psychischer Diagnosen bei Krankschreibungen. Sie spiegeln aber nicht zwangsläufig die tatsächliche Verbreitung psychischer Erkrankungen wider. Ein wesentlicher Grund für die Zunahme der Krankschreibungen wegen dieser Diagnosen ist, dass Betroffene und Ärzte inzwischen mit seelischen Leiden anders umgehen. „Viele Arbeitnehmer werden heute mit einem psychischen Problem krankgeschrieben, während sie früher beispielsweise mit der Diagnose chronische Rückenschmerzen arbeitsunfähig gewesen wären“, so Hübner. Während sich 1997 bundesweit nur jeder 50. Erwerbstätige wegen eines psychischen Leidens krankmeldete, war es 2012 bereits jeder 22. Frauen waren dabei fast doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Burnout ist kein Massenphänomen
Vor zehn Jahren spielte das Burnout bei Krankschreibungen kaum eine Rolle. Auf den ersten Blick ist in den vergangenen Jahren – auch bedingt durch das geringe Anfangsniveau – ein steiler Anstieg zu verzeichnen. Bei genauer Betrachtung muss dieser
Anstieg jedoch relativiert werden. So tritt bei den Krankschreibungen zum Beispiel die Diagnose Depression acht Mal häufiger auf. Im vergangenen Jahr haben die Ärzte in Rheinland-Pfalz nur bei etwa jedem 740. Mann und jeder 430. Frau ein Burnout auf der Krankschreibung vermerkt. „Es gibt offensichtlich kein Massenphänomen Burnout“, betont Hübner. „Burnout ist eine Art Risikozustand und keine Krankheit“. Der Begriff sei durch die breite Berichterstattung in den Medien positiver besetzt und sozial akzeptierter als eine Depression. Burnout-Betroffene hätten in der öffentlichen Wahrnehmung meist sehr engagiert gearbeitet und seien dadurch „ausgebrannt“. Insofern hat die breite Debatte dazu beigetragen, dass Arbeitnehmer beim Arzt leichter über psychische Beschwerden sprechen.

Job-Telefonate und Firmen-E-Mails in der Freizeit weniger verbreitet als vermutet
Berufliche Telefonate außerhalb der Arbeitszeit sind sehr viel weniger verbreitet, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. In Rheinland-Pfalz haben zwar rund 89 Prozent der Befragten ihre Telefonnummer beim Arbeitgeber hinterlegt. 42 Prozent der Beschäftigten werden jedoch nie von Kollegen oder Vorgesetzten außerhalb der Arbeitszeit angerufen, knapp 31 Prozent seltener als einmal pro Woche. Etwa 16 Prozent werden allerdings einmal pro Woche bis täglich außerhalb der Arbeitszeit angerufen. Bei dienstlichen E-Mails verhält es sich ähnlich: Rund 67 Prozent der Befragten bekommen nach Feierabend nie oder fast nie E-Mails beziehungsweise haben generell keine dienstlichen Mails. Knapp sechs Prozent erhalten nach Dienstschluss seltener als einmal pro Woche elektronische Post, weitere sechs Prozent etwa einmal die Woche. Dennoch: Jeder fünfte Befragte ruft täglich oder fast täglich Job-Mails außerhalb der Arbeitszeit ab.

Ständige Erreichbarkeit führt zu Depressionen
Alarmierend ist, dass schon ein mittleres Ausmaß an Erreichbarkeit nach Feierabend mit einem erhöhten Risiko verbunden ist, an einer psychischen Störung zu erkranken. Noch höher ist das Gesundheitsrisiko für die ständig erreichbaren Mitarbeiter: Jeder Vierte von ihnen leidet unter einer Depression. „Für diese kleine Gruppe hat der Wegfall der Grenze zwischen Beruf und Privatleben einen hohen Preis“, betont der Landeschef der Krankenkasse.

Psychische Probleme bleiben Stigma
Der DAK-Gesundheitsreport zeigt, dass etwa zwei Drittel der betroffenen Patienten beim Besuch ihres Hausarztes von sich aus psychische Erkrankungen als Ursache für ihr Leiden nennen. Nur 20 Prozent der Betroffenen geben an, dass der Hausarzt selbst nach psychischen Problemen fragt. Auffällig ist, dass in Betrieben keine Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen stattfindet. Im Gegenteil: Ein Vergleich der DAK-Gesundheitsreporte 2004 und 2012 macht deutlich, dass das Verständnis von Mitarbeitern und Kollegen für psychische Probleme 2012 eher pessimistischer eingeschätzt wird als 2004. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf für Betriebe und betroffene Mitarbeiter, das Thema
mehr als bisher aus der Tabuzone herauszuholen“, fordert Michael Hübner. Die Daten der DAK-Gesundheit zeigen weiterhin: Knapp 42 Prozent der Beschäftigten in Rheinland-Pfalz würde möglichst niemanden sagen, wenn er oder sie an einer psychischen Erkrankung leidet.

Ärzte sehen mehrere Ursachen für Anstieg
Die in die aktuelle Studie einbezogenen Ärzte sehen in Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und langen Arbeitszeiten eine Ursache für mehr Krankschreibungen mit psychischen Diagnosen. Aus Sicht der Mediziner gibt es für nicht so leistungsfähige Mitarbeiter immer weniger Platz in der Arbeitswelt. Prekäre und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse verschärfen psychische Belastungen. Depressionen und andere seelische Erkrankungen werden nach Erfahrungen der Ärzte vom Patienten immer mehr als Grund für eine Krankschreibung akzeptiert. Ferner führt fehlender sozialer Rückhalt außerhalb der Arbeitswelt zu mangelnder Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Beschwerden.

Allgemeiner Krankenstand und Branchenergebnisse
Über die Hälfte der Fehltage wird in Rheinland-Pfalz durch drei Krankheitsgruppen bestimmt: Die prominenteste Rolle im Krankheitsgeschehen spielen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes, wie zum Beispiel Rückenschmerzen. Auf sie entfallen 23 Prozent aller Krankheitstage. An zweiter Stelle stehen psychischen Erkrankungen mit einem Anteil von 14,8 Prozent. An dritter Stelle der wichtigsten Krankheitsarten stehen mit 14,4 Prozent die Krankheiten des Atmungssystems.

Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand in Rheinland-Pfalz waren 2012 das Gesundheitswesen mit 4,6 Prozent und die Öffentliche Verwaltung mit 4,4 Prozent. Den niedrigsten Krankenstand hatte der Bereich Banken und Versicherungen mit 3,2 Prozent sowie Bildung, Kultur, Medien mit 3,3 Prozent.

IGES steht für Forschung, Entwicklung und Beratung in den Bereichen Infrastruktur und Gesundheit. Zu den wichtigsten Arbeitsfeldern des Berliner Instituts zählen die Versorgungsforschung und die Gesundheitsberichterstattung. Besonders auf dem Gebiet der Auswertung von Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung hat sich das IGES in mehr als 30 Jahren einen Namen gemacht. www.iges.de (red.)
 

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